Abahlali baseMjondolo, Dienstag, 13. Juli 2021 (http://abahlali.org/node/17320/)
Abahlali baseMjondolo hat immer gewarnt, dass die Wut der Armen sich in viele Richtungen wenden kann. Wir haben immer wieder gewarnt, dass wir auf einer tickenden Zeitbombe sitzen
Wie lange haben wir gewarnt, dass die Menschen nicht weiter in schrecklicher Armut leben können, dass sie Jahr um Jahr ignoriert werden. Wir haben darauf hingewiesen: Die Menschen werden es nicht zulassen, dass ihre Menschlichkeit weiterhin zerstört wird. Zu lange haben wir erklärt, dass wir mit Gewalt regiert werden, und dass die Öffentlichkeit das mit ihrem Stummbleiben oft akzeptiert.
Der Staat begegnet uns ständig mit Gewalt, wenn wir friedlich protestieren. Wenn wir ein Memorandum übergeben, wird es in den Mistkübel geworfen. Jedes Mal, wenn wir den Behörden Glauben schenken, werden wir belogen und betrogen. Jedes Mal, wenn irgendwelche Dienste oder Jobs zur Verfügung gestellt werden, erhalten sie nur Mitglieder der herrschenden Partei.
Unsere Häuser sind wiederholt mit Gewalt zerstört worden, in manchen Fällen öfter als dreißigmal. Gemeinden wie eThekwini haben Gerichtsurteile ignoriert. Barackenbewohnerinnen sind behandelt worden, als gälte uns gegenüber kein Recht. Alles in allem werden Lügen über die Wahrheit gestellt, Versprechen gebrochen, der Profit den Bedürfnissen der Menschen übergeordnet, und der kommerzielle Wert von Land kommt vor seinem sozialen Wert.
Die Riots, die stattgefunden haben, haben nichts mit Zuma zu tun. Armut und Hunger waren einen Bombe, und das Versagen der Ordnung, verursacht durch Zuma’s Leute, hat die Lunte gezündet. Überall, wo Leute damit begonnen haben, Lebensmittel aus den Läden zu nehmen, bedeutet das, dass sie hungern und das hat nichts mit Zuma zu tun, das hilft ihm auch nicht. Auch migrantische Menschen haben sich Lebensmittel genommen. Jede, die in Südafrika lebt, hat sich Lebensmittel genommen, denn der Punkt waren Hunger und Armut.
Vor Covid haben viele Menschen gehungert. Nun hungern sie seit März letzten Jahres. Viele haben die Jobs verloren und die wenigen, die eine Unterstützung von 350 Rand erhalten haben, was für sie einen großen Unterschied ausmacht, haben diese wieder verloren. Mehr als 74% der Jugendlichen sind arbeitslos.
Die Eliten haben die Armen immer ignoriert. Sie sehen uns nichtmal. Als die Riots begannen, traten die Armen plötzlich in ihr Blickfeld.
Aber die Armen werden auch nach den Riots arm bleiben. Tatsächlich werden sich unsere Lebensbedingungen vermutlich noch verschlechtern. Wenn du Leute fragst, was sie nach den Riots essen werden, sagen sie, dass sie jetzt hungrig sind. Sie werden sagen, dass der Hunger tödlicher ist als Covid. Wenn du mit ihnen über diejenigen sprichst, die ihre Jobs verlieren, erzählen sie dir über ihre Kinder, die den Schulabschluss gemacht haben und keine Jobs finden. Die Menschen sehen nur die Gegenwart, nicht die Zukunft. Und zwar deswegen, weil sie nicht spüren, dass sie eine Zukunft haben.
Viele Menschen fürchten, dass es keine Lebensmittel mehr zu kaufen geben wird, und wenn das Essen, dass bei den Riots mitgenommen wurde, alle ist, wird ein noch schlimmerer Hunger kommen. Die Menschen sorgen sich, dass die Arbeitslosigkeit noch weiter zunehmen wird. Andere fürchten, dass es zu Feuersbrünsten in den Baracken kommen wird, weil so viel Alkohol geplündert worden ist. Viele Zimbabwerinnen sagen, das erinnert sie daran, wie der Kollaps in Zimbabwe begann, und weil sich die Lage so verschlechtert hat, gehen sie besser heim.
Der Hunger hat einige Menschen so böse gemacht, dass sie keine andere Person mehr wahrnehmen können. Gasthausbesitzer sind verärgert, dass sie immer noch die Miete für ihr Geschäft bezahlen, obwohl ihr Geschäft geschlossen ist, während die Restaurants öffnen dürfen. Es gibt Leute, die in diesem Chaos die Agenda der Zuma-Fraktion vorantreiben. Die Menschen sagen, dass es einfache, hungrige Leute waren, die die Lebensmittel mitgenommen haben, aber dass es die Leute von Zuma waren, die die Fabriken anzünden, die Lager, Malls und Infrastruktur. Was wird mit den Jobs, wenn die Fabriken und andere Arbeitsplätze abgefackelt werden? Das ist keine Revolution. Es ist Zerstörung, die die Armen noch ärmer machen wird.
Anfangs haben die unterschiedlichsten Leute die Lebensmittel genommen. Nun beginnt unter der Oberfläche xenophobisches und ethnisches Gemurmel. Xenophobie und Tribalismus machen sich breit. Einige Leute befürchten, dass es einen tribalistischen Krieg zwischen Afrikanern und Indern geben wird. Lokale Strukturen des ANC ermutigen Spaltungen, wobei sie oft die sozialen Medien benutzen.
Es kann nicht normal sein, dass mehr als 42% der Bevölkerung des Landes arbeitslos sind. Es kann nicht normal sein, so ein hohes Niveau staatlicher Korruption zu haben Es kann nicht normal sein, dass die Armen mit so viel Gewalt regiert werden, vom Staat und von der herrschenden Partei.
Im Oktober 2020 ging unsere Bewegung auf die Straße, mit fast 5.000 Menschen demonstrierten wir gegen die staatliche Korruption. Wir marschierten gegen Gewalt und gesetzwidrige Räumungen, die in unseren communities zur Normalität geworden sind, und natürlich marschierten wir gegen Gewalt gegen Minderheiten und Frauen. Niemand nimmt uns ernst. Selbst heute gab das Büro des Premierministers von KwaZulu-Natal vor, etwas zu unternehmen, dabei hat er bloß den Boden bereitet für das, was wir heute sehen.
Die Regierung ist unbrauchbar. Zuma und Ramaphosa haben beide gegenüber den Armen versagt. Die Regierung hat versagt dabei, Güter und Frieden zu bringen. Der Staat lehrt die Menschen die Gewalt und nicht die Diskussion und das Verhandeln. Die Korruption blüht weiter. Die Menschen sind sehr verärgert über Zweli Mkhize, der uns bestahl, während wir keine Arbeit hatten und hungrig schlafen gingen. Sihle Zikalala hat nicht klar und deutlich gesagt, was von einem echten Führer erwartet wird. Er ist ein wichtiger Teil des Problems. Nach der Präsidentenrede am Montag waren die Menschen aufgebracht. Er hat nichts zu der 350 Rand-Unterstützung gesagt, zur Arbeitslosigkeit oder dem Hunger. Nichts hat er zur Tatsache gesagt, dass selbst unsere ausgebildeten Kinder daheim herumsitzen und nichts tun, oder dass wir kein Schulgeld für unsere Kinder mehr haben, weil alles, was wir an Geld auftreiben können, für den Kauf von Lebensmittel draufgeht. Nichts hat er zur Tatsache gesagt, dass Politiker und ihre Familien gegessen haben, während wir hungern.
Wir fürchten, dass die ökonomische Situation wie in Zimbabwe werden wird, und wenn die Würmer den Kadaver verschlungen haben, werden sie übereinander herfallen.
Das Land ist im Arsch und es mangelt an Führung. Am ersten Tag waren es die Jungen, die die Lebensmittel genommen haben. Jetzt sind auch die Alten dabei. Ramaphosa sollte kapieren, wenn Mütter und Väter rausgehen, um zu plündern, dann ist die Situation im Land hoffnungslos, die Regierung hat versagt. Er sollte kapieren, dass es zwar Kriminalität gegeben hat, dass aber die Riots das Ergebnis der Hungersnot waren. Wir brauchen Essen, wir brauchen Geld und wir wollen in Ruhe gelassen werden auf unserem Land, doch stattdessen schickt Ramaphosa uns Soldaten. Die Armee in Bewegung zu setzen ist sehr riskant, denn das könnte zur Eskalation der Situation führen und das könnte mehr Tote bedeuten. Die Regierung kann nicht einfach den Leuten am Fernsehschirm entgegen treten und glauben, damit sei alles in Ordnung. Die Menschen, die sagen, dass sie Führer sind, sollten am Boden bleiben, bei den Menschen, in dieser Krise.
Es ist höchste Zeit, dass der ANC Verantwortung für diese Krise übernimmt. Das Niveau von Arroganz, die wir in der Vergangenheit erlebt haben, muss zu einem Ende kommen. Es ist an der Zeit, dass sie ihren Stolz runterschlucken, wenn sie sich wirklich um dieses schöne Land sorgen. Sie müssen die Menschen in Südafrika zuoberst stellen, nicht wie Zandile Gumede, der den Medien erzählt hat, dass der NC vor den Südafrikanerinnen kommt.
Wir bemerken, wenn die ANC-Fraktion die Leute zu Plünderungen anstiftet, gibt es keine Polizei, keine Hubschrauber und keine Wasserwerfer. Aber wenn wir friedlich marschieren oder ein Heim bauen, stehen alle Arten von Polizeiressourcen zur Verfügung.
Die Situation ist angespannt und unsere Mitglieder sind sehr besorgt. Wir haben unseren Mitgliedern aufmerksam zugehört, ihre Gefühle und Ansichten zeigen, dass sie meinen, sie wurden zu lange ignoriert, als existierten sie nicht in diesem Land. Sie sagen, dass sie zu lange arbeitslos und in tiefer Armut gelebt haben. Sie sagen, dass sie keine Lebensmittel für ihre Familien haben, während Politiker den Staat plündern und sich selbst bereichern. Sie sagen, dass der Covid-19 Lockdown uns schwer getroffen hat, aber der Staat hat die Covid-19 Unterstützungsgelder gestoppt hat, obwohl das Land schon wieder auf Alarmstufe 4 ist.
Auf Grundlage dieses Zuhörens ist unsere Position diese:
1. Zuma und Ramaphosa haben beide gegenüber den Armen versagt.
2. Die Riots sind ein Ergebnis von Hunger und nicht Unterstützung von Zuma.
3. Wir bleiben der Verfassung verpflichtet, denn das Gesetz schützt uns einigermaßen vor den politischen Gangstern im ANC. Ohne das Gesetz wäre die Repression noch schlimmer. Wir würden ausschließlich von der Gewalt regiert. Deshalb muss die Verfassung mit allen Mitteln verteidigt werden.
4. Die Covid-Unterstützungsgelder müssen sofort wieder ausbezahlt werden und erhöht, und alle Arbeitslosen müssen eine Unterstützung erhalten. Niemand kann ohne Einkommen leben.
5. In allen communities müssen Lebensmittelpakete verfügbar sein. Sie müssen direkt an hungrige Menschen gegeben werden, nicht an Stadträte, die meist korrupt sind und Zuma unterstützen.
6. Es muss eine rasche Freigabe von Land geben, für Wohnraumschaffung und gemeinschaftliche Landwirtschaft, und ein Ende der Räumungen.
7. Urban farming-Kooperativen müssen mit Saatgut, Dünger, Werkzeug und Land unterstützt werden.
8. Es braucht ein ernstzunehmendes Arbeitsbeschaffungsprogramm.
9. Wenn Zikalala kein klares Statement zur Unterstützung der Menschen abgeben kann, muss er aus seinem Amt entfernt werden. Er muss sofort zur Ruhe in der Provinz aufrufen, klare Führung vermitteln und für die Sicherheit aller Menschen sorgen. Er präsentiert bloß Statistiken über Todesopfer und das Ausmaß der Schäden.
10. Wir alle brauchen Beruhigung und Frieden, und dafür müssen wir arbeiten.
11. Alle Formen der Xenophobie und des Tribalismus müssen bekämpft werden.
12. Es braucht Dialoge in jeder Stadt und Provinz und landesweit darüber, wie Frieden und Gerechtigkeit hergestellt werden. Dieser muss alle auf Mitgliedschaft basierenden Basisformationen beinhalten, um den Weg zu bahnen zu einer inklusiven Zukunft Südafrikas. Diese Dialoge können den Prozess der Schaffung von Solidaritätsräten in jeder Stadt beginnen.
Wir wiederholen, dass die Menschen nicht an Zuma’s Verhaftung interessiert sind. Der Fakt, dass sie zu lange schon arbeitslos und hungrig sind, hat zu dieser Krise geführt.
Bei all unseren Aktionen und öffentlichen Vorträgen hat unsere Bewegung klargemacht, dass der Ubahlalismus und die Lebendige Politik zentral sind für die Richtung unseres Kampfes. Wir verbringen viel Zeit damit, unseren Mitgliedern ubuntu näher zu bringen und umuntu ungumuntu ngabantu. Mit diesen Lektionen und seiner Betonung wollen wir über die Form von Gesellschaft, für die wir uns aussprechen, nachdenken. Das ist der wichtigste Teil unserer Arbeit, die wir leisten, ehe wir uns für unsere Lebensbedingungen und den Kampf um Land engagieren, um Wohnraum und Würde. Hier argumentieren wir, dass wir die Schlacht um Gerechtigkeit und Gleichheit nur gewinnen, wenn wir verantwortliche menschliche Wesen sind, die ihr Land lieben und Menschlichkeit üben.
In der Vergangenheit haben wir uns gegen viele Formen von Gewalt, organisiert von rücksichtslosen Politikern mittels Xenophobie und Ethnizität gewehrt. Wir haben starke Werte von ubuntu aufgebaut und halten eine hohe Disziplin inmitten dieser Herausforderungen von staatlicher Gewalt, Armut, Arbeitslosigkeit und Ungleichheit.
Unsere Mitglieder sagen, wäre Abahlali baseMjondolo federführend, würden wir gemeinsam im Roten Meer schwimmen.
Regierungsunfähigkeit wird uns ärmer machen und noch gespaltener. Die Regierung des ANC hat versagt. Wir brauchen eine neue Form demokratischer Regierung, eine Regierung der Menschen, organisiert von unten, um unsere Gesellschaft wieder aufzubauen.
Wir tun, was wir können, um Frieden zu bringen, und um einen gerechten Frieden zu schaffen.
Schließt euch uns an oder arbeitet mit uns zusammen, für eine Welt, in der jede Person als eine Person zählt, eine Welt, in der die Würde jedes Menschen respektiert wird.
Kontakt:
S’bu Zikode 083 547 0474
Mqapheli Bonono 073 067 32 74
Nomsa Sizani 081 005 3686
Land und Würde!
Abahlali baseMjondolo http://www.abahlali.org